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Re: "Sieben" uncut auf Deutsch?


(2004-08-17 16:07:17)

Re: "Sieben" uncut auf Deutsch?


Andre Beckershoff wrote:

>> Was aber keine Begründung dafür sein kann und darf, daß man sich als
>> normal konditionierter, mündiger und erwachsener Bürger die Medien legal
>> beschaffen und anschauen können und dürfen muß, die man will (abgesehen
>> selbstverständlich von allem, was bereits durch seine Entstehung
>> Personen zu Schaden kommen läßt wie zum Beispiel Kinderpornographie oder
>> Snuff-Filme).
>
>Das ist natürlich wahr. Es gibt bestimmt genau so viele Menschen 18+ ,
>die mit den Filmen nicht umgehen können, wie solche <18.

Prozentual? Absolut? Grobe Abschätzung? Genaue Studie? Oder einfach
nur Geschwafel?
Und selbst wenn ein Mensch 18+ mit dem freiwilligen(!) Konsum eines
Film/Bild/Spiel/Buch nicht klarkommt, wieso sollte es dann für den
Rest der mündigen Bürger verboten werden? Und mit welcher Begründung
und vor allem durch wen? NRN

>Wenn wir einen utopischen Gesellschaftscharakter verwirklichen könnten,
>wären alle Gesetze überflüssig.

Nullaussage

>Ein Großteil der schädlichen Folgen des von Dir angesprochenen
>Individualverkehrs läßt sich letzten Endes auf Rücksichtslosigkeit
>zurückführen.

Durch Fehlfunktionen, Witterungsphänomene oder einfach nur schieres
Pech kommt es nicht zu Unfällen u.a. mit Personenschaden? Können wir
die Diskussion vom Verkehr wieder aufs Thema bringen?

>Sobald sich jeder im Verkehr so verhält, daß niemand
>anderes zu Schaden kommt, können wir auch gerne über den Jugendschutz
>reden

Wieso sollte das eine das andere bedingen? Vertagung der Diskussion
auf Skt. Nimmerlein? Wenn es nirgendwo auf der Welt mehr Krieg gibt,
dürfen wir uns dann auch mal über Bürgerrechte unterhalten?

>(ich stimme zu, daß die momentan gängige Praxis ein Armutszeugnis
>für unsere Gesellschaft ist - aber was wäre zur Zeit eine Alternative?). ;-)

nix Smiley - die Alternativ ist bestechend einfach und zwingend
logisch: Werke, bei deren Genese keine Rechte Schutzbedürftiger
verletzt werden, sind maximal zu indizieren aber niemals zu verbieten.

>> Es gibt im deutschsprachigen Usenet keine Ethik-Gruppe.
>
>Huch, das ist bedauerlich.

Mach einen Antrag, belege den möglichen Traffic und Du hast eine
Gruppe in nullkommanix in der de.*-Hierarchie, in der dann trefflich
diskutiert werden kann. Wie ja auch die Diskussionen in ähnlich
gelagerten Gruppen (die Unterkategorie de.soc.weltanschauung.* fällt
mir da spontan ein) sich durch besonders hohes Diskussionsniveau
auszeichnen.
ALternativ kannst Du auch Deine eigene Gruppe machen. Den Hamster gibt
es umsonst


Roy
--
Religion ist die Erweiterung eines rational (wie auch immer) begründeten
Moralsystems um irrationale Komponenten zwecks Erhöhung der Akzeptanz in
der Zielgruppe. [aus d.a.s.r]


Roy Batty
(2004-08-19 09:20:00)

Re: &quot;Sieben&quot; uncut auf Deutsch?



Tomi Li
(2004-08-19 09:20:00)

Re: &quot;Sieben&quot; uncut auf Deutsch?


Gerhard Wiesenfeldt wrote:

>Roy Batty (bisento@excite.com) schrieb:

>> Daruf beruht aber das Prinzip des Volljährigkeit und das des mündigen
>> Bürgers (merke: wenn niemand geschädigt wird). Wenn man dies ablehnt,
>> hat das noch viel weitreichendere Konsequenzen als nur Filmverbote -
>> und darüber will man lieber nicht nachdenken.
>
>Einige der Konsequenzen sind etwa Verbote von Drogenbesitz oder die
>Feststellung verminderter Schuldfähigkeit in Strafverfahren. Beides ist
>mit die Idee von Volljährigen als rationalen Indiduen eigentlich nicht
>vereinbar.

Bitte keine randständigen Analogien - der Drogenbesitz ist ein extra
Thema, über das es sich in diesem Rahmen nicht zu diskutieren lohnt,
dafür ist der Staat schon inkonsequent genug, als dass sich da ein
Konsens abzeichnen könnte (ich sag ja nur Gewinnbeteiligung an Alkohol
und Tabak über Steuern).
Verminderte Schuldfähigkeit steht nicht gegen die Grundannahme eines
rationalen Individuums, sondern berücksichtigt bei einer
Strafzumessung die Lage des Schuldigen im Augenblick der Tat.
Filme sind keine Tatbestände und keine Drogen. (ausser für uns
Cinemaniacs vielleicht ;-)

>Natürlich, aber selbst der herumwütendste Staatsanwalt macht einen
>großen Unterschied zwischen denen, denen er Gewaltverherrlichung
>unterstellt, und denen, die das im Film gezeigte im realen Leben
>praktizieren.

Der Unterschied besteht nur in der Strafzumessung. Ich sehe aber einen
Unterschied in der Strafwürdigkeit.

>Durchaus, denn dass es eine Wirkung von Fiktion auf menschliches Handeln
>in der Realität gibt, lässt sich IMHO nicht bestreiten. Es scheint mir
>dagegen im Allgemeinen äußerst schwierig zu sein, im Vorhinein zu sagen,
>wie eine solche Wirkung aussehen wird.

IMHO nicht nur wie, sondern auch ob. Es sind so viele Einflüsse,
die das Handeln bestimmen, die zum Teil erheblich stärker und
unmittelbarer wirken (Lebensumstände, soziale Interaktionen etc.), als
dass sich ein bestimmender Einfluss von Kunst herausinterpretieren
lassen könnte. Und selbst wenn man mit statistisch signifikanten statt
konkreten Einflüssen kommt, dann sieht es trotzdem mau aus - gerade
Filme mit besonders hoher Reichweite (aka Blockbuster) strotzen
teilweise vor asozialen Verhaltensweisen bei Hauptfiguren und trotzdem
ist mir noch nicht zu Ohren gekommen, dass jemand die Leber eines
Mitmenschen mit einem guten Chardonnay genossen hätte.

>Es geht hier in der Tat um die Auswirkungen eines solchen Films auf das
>in der Gesellschaft vorherrschende Menschenbild.

Und eben der dürfte schwer nachzuweisen sein. Und auf Verdacht zu
verbieten (! ich rede nicht von Indizierungen!) halte ich für den
völlig falschen Ansatz.

>Ich kann kein
>begründungslogisches Problem in der Argumentation sehen wenn sich jemand
>hinstellt und sagt: Ich fühle mich in meiner Menschenwürde
>beeinträchtigt, wenn in der Gesellschaft, in der ich lebe, solche Filme
>gezeigt werden, und diese Filme Auswirkungen auf das mich umgebende
>Menschenbild haben.

Ich schon. Ich sehe weder die Auswirkungen eines konkreten Filmes auf
das mich umgebende Menschenbild, noch sehe ich Beeinträchtigungen in
der Menschenwürde des Einzelnen durch diese fiktiven Auswirkungen.
Die neoliberale Wirtschaftslehre hat wesentlich konkretere Effekte auf
das Menschenbild in der Gesellschaft und letztlich auf die
individuelle Menschenwürde und steht nichtmal auf dem Index...

>Das implizierte natürlich keineswegs, dass diese
>Person sich einfach hinstellen kann und den Film diktatorisch verbieten
>kann; nur kann sich IMHO ein Fan solcher Filme auch nicht einfach damit
>davonstehlen, dass er sagt, das gehe andere Leute nichts an.

Schlechter Stil, andere Meinungen mit negativen Verben und Attributen
umzuformulieren.
Es ist kein Davonstehlen - es geht andere Leute tatsächlich nichts an.
Es geht auch niemanden an, wen ich wähle, obwohl diese Entscheidung
als mündiger Bürger einen konkret messbaren Einfluss auf die
Gesellschaft hat. Eine offene und pluralistische Gesellschaft muss
damit klarkommen, dass nicht alle ihre Mitglieder Mainstream-Ansichten
und ~geschmäcker vertreten, solange keine konkrete Beeinträchtigung
der Rechte Dritter daraus resultiert.
Alles andere ist ein Misstrauensvotum gegen den sogenannten mündigen
Bürger. Es wird unterstellt, er könne verantwortungsbewusst mit
staatlich erlaubten Drogen umgehen (um auf Dein Beispiel von oben
zurückzukommen), könne mit einer Waffe in der Hand Dienst an der
Gesellschaft leisten, sich mit Fahrzeugen rücksichtsvoll im Verkehr
bewegen (wobei die Todesfälle auf diesem Gebiet tatsächlich zählbar
sind) etc.pp. - nur einen bestimmten Horrorfilm geistig zu verdauen
und abstrahierend zu werten nicht. Das demonstriert eine dermassen
geringe Meinung von den intellektuellen Kapazitäten erwachsener
Bürger, dass die Erlaubnis der anderen eben angeführten Beispiele
unglaublich verantwortungslos erscheint.
Ein Schritt dem ich nicht folgen kann und will.




Roy
--
Its good to know who hates you and its good to be hated by the right people"
(Johnny Cash 1989)


Roy Batty
(2004-08-19 15:41:10)

Re: &quot;Sieben&quot; uncut auf Deutsch?


Roy Batty (bisento@excite.com) schrieb:
> Gerhard Wiesenfeldt wrote:
>
> >Roy Batty (bisento@excite.com) schrieb:
>
> Bitte keine randständigen Analogien - der Drogenbesitz ist ein extra
> Thema, über das es sich in diesem Rahmen nicht zu diskutieren lohnt,
> dafür ist der Staat schon inkonsequent genug, als dass sich da ein
> Konsens abzeichnen könnte (ich sag ja nur Gewinnbeteiligung an Alkohol
> und Tabak über Steuern).

Das sind keine randständigen Analogien, sondern direkte Konsequenzen aus
der Erfahrung, dass die Idee rationaler Individuen ihre Grenzen hat. Und
die Unterstellung der Gewinnbeteiligung ist ziemlich gemein. Wenn der
Staat schon einmal nicht mit der Verbotskeule kommt und die
Sanktionierung über Strafsteuern wählt, wird ihm das auch gleich wieder
negativ ausgelegt. (Aber bitte jetzt keine Diskussionen über die
Einführung einer Zombie-Steuer.)


> Verminderte Schuldfähigkeit steht nicht gegen die Grundannahme eines
> rationalen Individuums, sondern berücksichtigt bei einer
> Strafzumessung die Lage des Schuldigen im Augenblick der Tat.

Es steht nicht gegen die Grundannahme, sondern stellt die Ausnahme von
der Regel dar. Schärfer gesagt: Es ist die Hilfskrücke, die die Fiktion
am Laufen erhält.

> Filme sind keine Tatbestände und keine Drogen. (ausser für uns
> Cinemaniacs vielleicht ;-)

Ich hatte in der Tat auch schon das Bild von Spezialvideotheken im Kopf,
wo vorne eine Psychologe sitzt, der erst einmal die Kunden auf ihre
geistige Gesundheit hin überprüft und ihnen daraufhin die Erlaubnis zum
Ausleihen einzelner Filme erteilt.




> >Durchaus, denn dass es eine Wirkung von Fiktion auf menschliches Handeln
> >in der Realität gibt, lässt sich IMHO nicht bestreiten. Es scheint mir
> >dagegen im Allgemeinen äußerst schwierig zu sein, im Vorhinein zu sagen,
> >wie eine solche Wirkung aussehen wird.
>
> IMHO nicht nur wie, sondern auch ob. Es sind so viele Einflüsse,
> die das Handeln bestimmen, die zum Teil erheblich stärker und
> unmittelbarer wirken (Lebensumstände, soziale Interaktionen etc.), als
> dass sich ein bestimmender Einfluss von Kunst herausinterpretieren
> lassen könnte. Und selbst wenn man mit statistisch signifikanten statt
> konkreten Einflüssen kommt, dann sieht es trotzdem mau aus - gerade
> Filme mit besonders hoher Reichweite (aka Blockbuster) strotzen
> teilweise vor asozialen Verhaltensweisen bei Hauptfiguren und trotzdem
> ist mir noch nicht zu Ohren gekommen, dass jemand die Leber eines
> Mitmenschen mit einem guten Chardonnay genossen hätte.

Du bezweifelst, dass die Populärität von Harley Davidsons bei einem
bestimmten maskulinen Teil der Bevölkerung etwas mit dem "Easy Rider"-
Mythos zu tun hat? Du bezweifelst, dass die Attraktivität des Reiseziels
Paris etwas mit dem seit 200 Jahren beschriebenen, besungenen und
schließlich verfilmten Bildes der "Stadt der Liebe" zu tun hat? Du
bezweifelst, dass die amerikanische Hippiebewegung ihre Motivation des
einfachen Leben in großem Maße bei Thoreaus "Walden" gefunden hat?
Sollte dem so sein, hielte ich das für eine gewagte These.

Natürlich muss Fiktion keine Auswirkungen haben, und an der Planbarkeit
solcher Auswirkungen basteln Werbepsychologen schon seit Jahrzehnte
herum, ohne zu befriedigenden Resultaten gekommen zu sein, nur dass
solche Auswirkungen überhaupt existieren, scheint mir doch nur schwer
bezweifelbar zu sein.


>
> >Es geht hier in der Tat um die Auswirkungen eines solchen Films auf das
> >in der Gesellschaft vorherrschende Menschenbild.
>
> Und eben der dürfte schwer nachzuweisen sein. Und auf Verdacht zu
> verbieten (! ich rede nicht von Indizierungen!) halte ich für den
> völlig falschen Ansatz.

Dass ich mit einfachem Verbieten ebenso wenig einverstanden bin, habe
ich hier schon mehrfach betont. Die Frage ist aber, wer was nachweisen
muss. Ich denke, wir können uns wohl darauf einigen, das die Freiheit
des einzelnen ihre Grenzen da findet, wo sie die Freiheit anderer in
unverhältnismäßiger Weise einschränkt.
Das Problem ist nur eines der Feststellung der Verhältnismäßigkeit und
der Verantwortlichkeit für den Nachweis.
Wenn ich ein Kernkraftwerk baue, bin ich selbstverständlich
verantwortlich für den Nachweis der Sicherheit und kann nicht von
anderen den Nachweis der Gefährlichkeit verlangen. Wenn ich umgekehrt
Schnupfen haben, kann niemand von mir ernsthaft den Nachweis, dass
niemand aufgrund einer von mir verbreiteten Viren ausgelösten
Lungenentzündung stirbt (auch wenn so etwas durchaus geschehen kann).
Zwischen beiden Extremfällen liegt IMHO die Frage der Wirkung von Filmen
in der Gesellschaft. Ich finde es keineswegs eindeutig, dass ich mir bis
zum Beweis des Gegenteils keinerlei Gedanken über die Wirkung von Filmen
zu machen brauche. Und einem Diskurs darüber darf ich eben gerade dann
nicht aus dem Weg gehen, wenn ich derart kritisierte Filme gerne sehen
will.


>
> >Ich kann kein
> >begründungslogisches Problem in der Argumentation sehen wenn sich jemand
> >hinstellt und sagt: Ich fühle mich in meiner Menschenwürde
> >beeinträchtigt, wenn in der Gesellschaft, in der ich lebe, solche Filme
> >gezeigt werden, und diese Filme Auswirkungen auf das mich umgebende
> >Menschenbild haben.
>
> Ich schon. Ich sehe weder die Auswirkungen eines konkreten Filmes auf
> das mich umgebende Menschenbild, noch sehe ich Beeinträchtigungen in
> der Menschenwürde des Einzelnen durch diese fiktiven Auswirkungen.

Moment, es geht nicht darum, dass Du die Auswirkungen nicht siehst (bei
"Blood Feast" etwa kann auch ich mir Auswirkungen, die ein Verbot des
Films rechtfertigen könnten, nicht ernsthaft vorstellen). Wenn jemand
solche Auswirkungen aber sieht, halte ich es für keine Lösung, ihm
einfach zu sagen, er hat unrecht und Schluss der Diskussion. Die Debatte
darüber ist notwendig, und zwar gerade dann, wenn wir staatsanwaltliche
Verdikte unter Umgehung öffentlicher Diskurse vermeiden wollen. Leider
sehe ich mit Ausnahme von Alice Schwarzer mittlerweile doch ziemlich
verunglückter Antiporno-Kampagne nichts, was darauf hindeuten würde,
dass ein solcher Diskurs geführt werden würde oder dass er in unserer
Gesellschaft überhaupt möglich wäre.

> Die neoliberale Wirtschaftslehre hat wesentlich konkretere Effekte auf
> das Menschenbild in der Gesellschaft und letztlich auf die
> individuelle Menschenwürde und steht nichtmal auf dem Index...

Wenn es helfen würde, die Bücher auf den Index zu setzen, damit die dann
die Politik aufhörte, danach zu verfahren, könnte ich mich mit dem
Gedanken beinahe anfreunden ;-)


> >Das implizierte natürlich keineswegs, dass diese
> >Person sich einfach hinstellen kann und den Film diktatorisch verbieten
> >kann; nur kann sich IMHO ein Fan solcher Filme auch nicht einfach damit
> >davonstehlen, dass er sagt, das gehe andere Leute nichts an.
>
> Schlechter Stil, andere Meinungen mit negativen Verben und Attributen
> umzuformulieren.

Es ist Dir klar, dass ich hier beide Seiten negativ konnotiert bzw.
überzeichnet habe?

> Es ist kein Davonstehlen - es geht andere Leute tatsächlich nichts an.
> Es geht auch niemanden an, wen ich wähle, obwohl diese Entscheidung
> als mündiger Bürger einen konkret messbaren Einfluss auf die
> Gesellschaft hat.

Also, wenn mein Nachbar NPD wählen würde, würde ich mit ihm schon drüber
diskutieren wollen. Zum mündigen Bürger gehört IMHO durchaus, dass man
bereit ist, zu seinen öffentlichen Handlungen zu stehen und über diese
mit sich diskutieren zu lassen.

> Eine offene und pluralistische Gesellschaft muss
> damit klarkommen, dass nicht alle ihre Mitglieder Mainstream-Ansichten
> und ~geschmäcker vertreten, solange keine konkrete Beeinträchtigung
> der Rechte Dritter daraus resultiert.

Ja. Sie muss aber auch damit klar kommen, dass es
Grenzziehungsdiskussionen gibt, die sich vor allem daraus ergeben, dass
unsere Gesellschaft zu komplex ist, als dass ich die Beeinträchtigung
der Rechte Dritter immer problemlos erkennen kann.

> Alles andere ist ein Misstrauensvotum gegen den sogenannten mündigen
> Bürger. Es wird unterstellt, er könne verantwortungsbewusst mit
> staatlich erlaubten Drogen umgehen (um auf Dein Beispiel von oben
> zurückzukommen), könne mit einer Waffe in der Hand Dienst an der
> Gesellschaft leisten, sich mit Fahrzeugen rücksichtsvoll im Verkehr
> bewegen (wobei die Todesfälle auf diesem Gebiet tatsächlich zählbar
> sind) etc.pp. - nur einen bestimmten Horrorfilm geistig zu verdauen
> und abstrahierend zu werten nicht. Das demonstriert eine dermassen
> geringe Meinung von den intellektuellen Kapazitäten erwachsener
> Bürger, dass die Erlaubnis der anderen eben angeführten Beispiele
> unglaublich verantwortungslos erscheint.

Natürlich ist unsere Gesellschaft inkonsequent und bigott. Dass Alkohol
erlaubt und Haschisch verboten ist, hat mit der Gefährlichkeit dieser
Drogen absolut nichts zu tun. Die Akzeptanz von Straßenverkehrstoten
entstammt genauso wenig einem herrschaftsfreien Diskurs wie die Verbote
von Horrorvideos. (Und ja, ich rege mich über die Verhältnisse im
Straßenverkehr wesentlich mehr auf als über die Verbote von Filmen,
schließlich muss ich ersteres als Nichtautobesitzer noch massiv
subventionieren.)

Nur ich kann mir, ganz offensichtlich im Gegensatz zu Dir, schon eine
gesellschaftliche Situation vorstellen, in der man nach ausführlicher
Diskussion feststellt, dass man diesen oder jenen Film in dieser
Gesellschaft nicht zeigen lassen möchte. Wenn ich an einer solchen
Diskussion teilnehmen würde, würde es vermutlich eher um Filme wie
Riefenstahls mit KZ-Häftlingen gedrehten "Tiefland" (FSK ab12) gehen als
um Horrorvideos, das ist aber sekundär.
Ich gebe zu, dass dieses eine eher theoretische Diskussion ist, die in
keiner Weise die gegenwärtige Verbotspraxis in Deutschland rechtfertigen
soll.

Gruß,
Gerhard

--
Letzte 3 im Kino: "Ladykillers", "I, Robot", "Big Fish"


Gerhard Wiesenfeldt
(2004-08-19 16:25:07)

Re: &quot;Sieben&quot; uncut auf Deutsch?


Gerhard Wiesenfeldt schrieb:
> Diskurs wie die Verbote von Horrorvideos. (Und ja, ich rege mich über
> die Verhältnisse im Straßenverkehr wesentlich mehr auf als über die
> Verbote von Filmen, schließlich muss ich ersteres als
> Nichtautobesitzer noch massiv subventionieren.)

-v

-Markus


"Markus Pinl"
(2004-08-19 16:45:31)

Re: &quot;Sieben&quot; uncut auf Deutsch?


Markus Pinl (frissdasspammer@despammed.com) schrieb:
> Gerhard Wiesenfeldt schrieb:
> > Diskurs wie die Verbote von Horrorvideos. (Und ja, ich rege mich über
> > die Verhältnisse im Straßenverkehr wesentlich mehr auf als über die
> > Verbote von Filmen, schließlich muss ich ersteres als
> > Nichtautobesitzer noch massiv subventionieren.)
>

Stichwort: externe Kosten des Autoverkehrs (Umwelt- und
Gesundheitsschäden, Flächenverbrauch).

Nach den allermeisten Untersuchungen (insbesondere nach denen, die nicht
von der Automobil-Industrie gesponsort sind) verursacht der
Personenautoverkehr externe Kosten, die weit über die Einnahmen durch
Mineralöl- und KFZ-Steuer hinausgehen. Diese werden dann von der
Allgemeinheit getragen, sprich: Die Autobesitzer werden von den
Nichtautobesitzern subventioniert.

Vgl. http://www.umweltdaten.de/verkehr/extkosten.pdf

Danach lag das gesellschaftlich getragene Defizit des Autoverkehrs 1993
bei 77,6 Mrd. DM, sprich bei grob 1000 DM pro Nase. Diese hätte ich gern
wieder (die 1000 DM, die Nase hab ich noch ;-)

Gruß,
Gerhard

--
Letzte 3 im Kino: "Ladykillers", "I, Robot", "Big Fish"


Gerhard Wiesenfeldt
(2004-09-04 19:29:09)

Re: &quot;Sieben&quot; uncut auf Deutsch?


Gerhard Wiesenfeldt wrote:
> Das sind keine randständigen Analogien, sondern direkte Konsequenzen aus
> der Erfahrung, dass die Idee rationaler Individuen ihre Grenzen hat.
>
Gesteht man dem Bürger Mündigkeit zu, und das ist die Grundvoraussetzung
jeder freien Gesellschaft, wird man sich damit abfinden müssen, daß zur
Freiheit auch gehört, sich selbst schaden zu dürfen.

> Das Problem ist nur eines der Feststellung der Verhältnismäßigkeit und
> der Verantwortlichkeit für den Nachweis.
>
Wer Freiheit einschränkt, muß begründen, warum. Und sich bewußt sein,
daß jedes Verbot die Aufmerksamkeit für das verbotene Objekt
beträchtlich erhöht. Die Auschwitzlüge-lüge wäre beispielsweise
bedeutend weniger populär, wenn es den unsäglichen Paragraphen 130 Abs.
3 StGB nicht gäbe.

Schöne Grüße,
Andreas
--
"In my youth, there used to be only red, blue and yellow Lego bricks,
and they were all square. Now there are pink and round ones. This
doesnt seem like a world youd want to raise your children in."
(Nina Persson) +++ http://www.moviebazaar.de/ +++


"Andreas C. Lazar"
(2004-09-04 21:02:51)

Re: &quot;Sieben&quot; uncut auf Deutsch?


Andreas C. Lazar:

> Die Auschwitzlüge-lüge wäre beispielsweise
> bedeutend weniger populär, wenn es den unsäglichen Paragraphen 130 Abs.
> 3 StGB nicht gäbe.

Auf die Begründung bin ich aber mal gespannt!

Andre
PS: Du darfst Dir übrigens einen Nekro-Punkt fürs Wiederbeleben dieses
Threads anrechnen.


Andre Beckershoff
(2004-09-05 15:30:52)

Re: &quot;Sieben&quot; uncut auf Deutsch?


Andre Beckershoff wrote:
> > Die Auschwitzlüge-lüge wäre beispielsweise bedeutend weniger populär,
> > wenn es den unsäglichen Paragraphen 130 Abs. 3 StGB nicht gäbe.
> Auf die Begründung bin ich aber mal gespannt!
>
Wer tatsächlich glaubt, den Holocaust gäbe es nicht, wird auch "Der
Staat verbietet es, weil er unangenehme Wahrheiten unterdrücken will"
zuneigen. Könnte jeder unbehelligt behaupten, Auschwitz sei eine Lüge,
würde dieser Schwachsinn bedeutend weniger Aufmerksamkeit erlangen.

> PS: Du darfst Dir übrigens einen Nekro-Punkt fürs Wiederbeleben dieses
> Threads anrechnen.
>
ER LEBT! ER LEBT! BWAHAHAHAHAAAAA!

Schöne Grüße,
Andreas
--
"In my youth, there used to be only red, blue and yellow Lego bricks,
and they were all square. Now there are pink and round ones. This
doesnt seem like a world youd want to raise your children in."
(Nina Persson) +++ http://www.moviebazaar.de/ +++


"Andreas C. Lazar"

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