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54. Berlinale


(2004-02-23 01:37:19)

54. Berlinale


54. Berliner Filmfestspiele - ein paar Eindruecke/Empfehlungen/Warnungen

Natuerlich spoilerfrei. Bei allzu exotischen Titeln habe ich den
internationalen Titel gelegentlich in eckigen Klammern geschrieben.

Groesste Enttaeuschung der diesjaehrigen Berlinale: Der Wegfall der
Mitternachtsvorstellungen im "Delphi", groesster Pluspunkt: das man
dadurch mehr als vier Stunden Schlaf kriegt :-)

Berliner, geht in den Zoo-Palast! Wenn der wirklich dichtgemacht
werden sollte ist das ein Riesenverlust; ich liebe dieses Kino.

Aeltere Festival-Kurzkritiken gibt es unter
http://www.informatik.uni-bremen.de/~jmm/festivals.html

[ K=Kinderfilmfestival, P=Panorama, F=Forum, J=Jugendfilmfestival ]

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2 Ryk Og En Aflevering (P, Daenemark, Daenisch mit engl. UT)
Inh: Eine Coming-Of-Age-Geschichte in einer daenischen Kleinstadt,
aufgebaut um drei Freunde mit Frauen, Fussball und kleinen Gaunereien.

Ein runder sympatischer Film, ohne grosse Maetzchen, mit einer
ausserordentlich huebschen Hauptdarstellerin.

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20:30:40 (W, Taiwan/China, Mandarin/Kantonesisch mit dt. UT)
Inh: Zwei junge Maedchen (20), die in Hong Kong Saengerinnen werden
wollen, eine Stewardess (30), die zwei Liebhaber hat, von denen aber
keiner Interesse an einer festen Beziehung zeigt und eine
Geschaeftsfrau (40), die geschieden lebt und sich in einen Mann
verliebt, der eine wesentlich juengere Frau hat.

Ein sehr schoener Film, in sich sehr rund und elegant. Die einzelnen
Plot-Straenge sind gekonnt verzahnt und die Balance zwischen
tragikomischen und komischen Elementen ist stimmig.

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Akame shijiyuyataki shinjyumisui [Akame 48 Waterfalls] (P, Japan,
Japanisch mit engl. UT)
Inh: Ein im Leben Gescheiterter versucht in einem Vorort voller
kauziger bis zwielichtiger Gestalten einen Neuanfang als Arbeiter,
der fuer einen Restaurant-Service Fleisch auf Spiesschen steckt, und
wird dort in eine verhaengnisvolle Liebe getrieben.

Vollgestopft mit guten Ideen, allerdings wirkt alles etwas ziellos,
die Summe der gelungenen Einzelstuecke etwas unharmonisch und
mit 160 Minuten Laufzeit ist der Film etwas zu lang geraten.

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B-Happy (F, Chile, Spanisch mit engl. UT)
Inh: Kathy lebt in schwierigen Verhaeltnissen in einem kleinen
Kaff. Ihr Vater ist ein notorischer Krimineller und meistens im
Gefaengnis, ihr Bruder haengt wenig erfolgversprechenden Traumen einer
Musikkarriere an und als sie auch noch ihre Mutter verliert muss sie
sich allein durchs Leben schlagen.

Ein sehr guter Film mit einer fantastischen Hauptdarstellerin, die
stoisch gegen alle Schwierigkeiten angeht und allen Widrigkeiten
tapfer entgegen steht, konsequent und trotzdem warmherzig.
Einziger Wermutstropfen ist die Montage, jede Szene wird ausgeblendet,
was dem Film etwas schadet. Unbedingt angucken, wenn man die
Gelegenheit bekommt.

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Bare Bea (J, Norwegen, Norwegisch mit engl. UT)
Inh: Bea ist die letzte Jungfrau aus ihrer Clique und weil bald die
grosse Party beim Schulsprecher-Schwarm ansteht, beschliessen ihre
Freundinnen, ihr vorher fuer das vermeintlich nicht
erfolgversprechende erste Mal einen vermeintlich weniger sympathischen
Kandidaten zu vermitteln.

Klingt vielleicht nach trashig-pubertaerer Teenie-Komoedie, ist aber
angenehm und witzig, wenn auch etwas ueberraschungsarm und gut besetzt.

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Beautiful Country (W, USA, Englisch/Vietnamesich mit engl. UT)
Inh: Nach einem Unfall flieht ein Waise aus Vietnam und begibt sich
auf eine illegale Schleusung in der USA, wo er den GI wiederzutreffen
hofft, der sein Vater ist.

Ganz ordentlich, hat man andererseits aber auch schnell wieder
vergessen. Die Geschichte ist gut inszeniert und gespielt (vor allem
Tim Roth als sinistrer Kapitaen), wenn auch etwas klischeehaft.

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Before Sunset (W, USA, Englisch mit dt. UT)
Inh: Ein Schriftsteller und eine Angestellte bei einer Oekologie-NGO
treffen sich neun Jahre nachdem sie sich in Wien kennengelernt haben,
bei einer Lesung in Paris wieder und reden in der knappen Zeit, die
ihnen bis zu seinem Abflug bleibt ueber ihrer Beziehung, ihr Leben und
ob sie sich trotz fester Partnerschaften noch lieben (koennen).

Ein wunderschoener Film ohne Schnoerkel, ohne trashige
Friseurmagazin-Dialoge ala Doris Doerrie, sehr schoen gespielt und
sehr unterhaltsam. Ein Film, wie man ihn von Eric Rohmer erwartet
haette. Ich muss mir dringend mal "Before Sunrise" ansehen.

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Cachorro (P, Spanien, Spanisch mit engl. UT)
Inh: Ein schwuler Zahnarzt muss sich um seinen Neffen kuemmern, als
dessen Mutter im Indien-Urlaub mit Drogen erwischt wird und im
Gefaengnis landet, was sein Leben gehoerig umkrempelt.

Eine sehr lustige, herzhafte Komoedie mit dramatischen Einsprenklern,
die gegen Ende etwas gewollt in Richtung Queer-Drama taumelt, aber im
Grossen und Ganzen sehr sehenswert ist.

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Chosun Nam Nyo Sang (P, Suedkorea, Koreanisch mit engl. UT)
Inh: "Gefaehrliche Liebschaften" im Korea des 18. Jahrhunderts: Eine
Graefin wettet mit einem Adeligen, ob er es schaffe die keusche
Tochter einer anderen Graefin zu entjungern.

Einige Groessenordnungen stilvoller als die Hollywood-Trash-Adaption
"Cruel Intentions", elegant gefilmt, spannend und mit einem der
schoensten Film-Freitode seit langem.

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Cold Mountain (W, USA, Englisch mit dt. UT)
Inh: Ein im Sezessionskrieg Verwundeter macht sich auf die widrige
Heimreise zu seiner Frau, die unterdessen die heimische Farm ueber
Wasser haelt und dabei von der gebildeten hoeheren Tochter zur toughen
Lady wird.

Etwas zaeh und nicht besonders herausragend, da die Handlung zu
bemueht wirkt; ausserdem ist der Film entschieden zu lang, da ihm die
epische Breite von fast drei Stunden fuer die duenne Handlung nicht
bekommt.
In CM zeigt sich mal wieder wieviel Gore heute dem Mainstream-Publikum
zugemutet wird: Etliche Szenen - gerade aus der Eroeffnungschlacht
zwischen Nord und Sued - sind SFX-Effekte ittenbachscher Dimension
(etwa Fleisch, das brennend vom Knochen faellt oder zerplatzende
Koepfe).

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Country of my Skull (W, USA, Englisch mit dt. UT)
Inh: Ein schwarzer Journalist und eine weisse Suedafrikanerin treffen
sich bei der Berichterstattung ueber die 95er-Wahrheitskommissionen
zur Aufarbeitung der Apartheid und verlieben sich ineinander.


Uebelster Trash; die Wahrheitkommission dient nur als schaebige
Kulisse fuer eine unglaublich uninteressante Liebesgeschichte. Trotz
allem vorgeblichen Werben um Toleranz ist die Handlung auch schlicht
und ergreifend rassistisch; die schwarzen Suedafrikaner, die vor den
Kommissionen aussagen haben die Tiefe von "Tim und Struppi in Afrika"
und Juliette Binoche (die seit den "Drei Farben" keinen guten Film mehr
gemacht hat) darf sich zwar mal kurz kokett Sex mit zwei Schwarzen
wuenschen, die partnerschaftliche Farbenlehre bleibt aber natuerlich
trotzdem erhalten. Zum Ende des Films wird es dann so unglaublich
widerwaertig moralinsauer-verlogen, das man sich in einer Tour fragt,
ob das ueberhaupt ernst gemeint ist und warum so ein fundamentaler
Scheiss-Dreck in den Wettbewerb des zweitgroessten Filmfestivals der
Welt geladen wird.

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Dotknij Mnie [Touch me] (F, Polen, Polnisch mit engl. UT)
Inh: Miteinander verwobene Geschichten um unerwiderte Lieben: Ein
Polizist verliebt sich in eine deutliche aeltere Frau und ein junges
Maedchen verguckt sich in einen Verlierer, der im Teleshopping
Messer-Sets verkauft, aber eigentlich eine Prostituierte liebt.

Naja, reichlich roh und maessig unterhaltsam. Man findet keine
Anknuepfungspunkte an den Film, die Personen interessieren nicht und
die Handlung bleibt unwirklich und uninteressant.

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Face Cachee da la lune, La (P, Kanada, Franzoesisch mit engl. UT)
Inh: Zwei zerstrittene Brueder, der eine ein muerrischer
Geisteswissenschaftler, der andere ein schwuler Wetteransager muessen
sich nach dem Tod der Mutter zusammenraufen und finden wieder
zueinander.

Ein fantastischer, kauziger Film, offenbar die Umsetzung eines
Theaterstuecks, in dem der Regisseur gleich zwei Hauptrollen spielt
auch sonst grosse Teile der Crew besetzt. Reichlich Dialogwitz.

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Fan Chan [My Girl] (F, Thailand, Thai mit dt. UT)
Inh: Ein kleiner Junge, der immer mit den Maedchen von seiner
Strassen-Seite spielt freundet sich mit den Schul-Rowdys an, was ihn
von seiner besten Freundin entfremdet.

Ein herausragender Film. Excellent gespielt, in einer schoenen
Handlung voller witziger Ideen, ohne Laengen, einfach fantastisch.

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Feux Rouges (W, Frankreich, Franzoesisch mit dt. UT)
Inh: Ein Ehepaar in der Ferienstosszeit auf dem Weg ins Feriencamp der
Kinder: Der alkoholkranke Ehemann und seine Frau geraten waehrend der
Fahrt beide immer heftiger aneinander und als sie sich nach einem
Streit trennen geraten beide in Gefahr.

Ein spannender Film, schoen gemacht, aber auch etwas ueberladen, da
der Regisseur die katharsischen Elemente der Handlung zu deutlich
ueberbetont, weniger waere hier mehr gewesen.

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Film as a subversive Art: Amos Vogel and Cinema 16 (F, USA, Englisch)
Inh: Dokumentarfilm ueber Amos Vogel(stein), den Begruender des New
Yorker Filmclubs "Cinema 16", der in den 50ern und 60ern unabhaengiges
Kino zeigte und verlieh.

Die Inszenierung ist Dokumentarfilm-Standard und der Inhalt
hochinteressant. "Cinema 16" ist wohl die Wurzel aller heutigen KoKis
und leider in den 60ern eingestellt worden. Der Film geht auch auf den
Menschen Amos Vogel ein, der sein Leben voller Ironie kommentiert.

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Gegen die Wand (W, Deutschland, Deutsch mit engl. UT)
Inh: Cahit lernt nach einem Freitodversuch im Krankenhaus die 20 Jahre
juengere Sibel kennen und heiratet sie, damit sie von ihrem Elternhaus
fortkommt und ihre Freiheit geniessen kann. Aus der Zweckehe wird mehr,
was tragische Verirrungen nach sich zieht.

Ein sehr guter Film, wenn auch nicht so brillant wie "Kurz und
schmerzlos". GDW findet nicht so recht den Anschluss zwischen den
beiden Hauptstraengen, ist aber wie schon K+S sehr rauh und
atmosphaerisch. Der "Goldene Baer" geht sicherlich in Ordnung, auch
wenn ich ihn an "Samaria" gegeben haette (konnte allerdings den neuen
Loach nicht sehen, der ja wohl recht brillant sein soll)

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Hard Luck Hero (F, Japan, Japanisch mit dt. UT)
Inh: Ein Koch muss als Ersatzkaempfer in einem illegalen Thaiboxkampf
antreten. Durch einen Zufall gewinnt er den eigentlich abgesprochenen
Kampf und muss deshalb vor den Yakuza fliehen. Aus dieser turbulenten
Situation entwickelt sich auch ein Raub, bei dem zwei Diebe die Tasche
zweier Geschaeftsleute entwenden.

Ein guter Film, aber nicht das Meisterwerk, das ich mir erhofft hatte.
Der Film erzaehlt verschiedene Straenge der Handlung aus mehreren
Perspektiven, die dann auf einen gemeinsamen Hoehepunkt zusteuern, der
mich nicht besonders mitgerissen hat. Die typische Sabu-Coolness ist
auf jeden Fall reichlich vorhanden.

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Hava Aney Dey [Let the Wind Blow] (F, Indien, Hindi mit dt. UT)
Inh: Einige Freunde in einem Vorort von Mumbai, die versuchen in
wirtschaftlich schwieriger Lage und wachsender politischer Spannung
mit Pakistan ihr Leben zu meistern.

Ein sehenswerter Film, der auf der persoenlichen Ebene politische
Mechanismen abbildet und gegen Ende hin immer mehr an Fahrt gewinnt,
um dann sehr ueberraschend zu enden. Angenehm unaufgeregt.

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Hazaaron Khwaishein Aisi [A 1000 Dreams such as these] (F, Indien,
Hindi mit dt. UT)
Inh: Die Lebenslaeufe dreier College-Freunde trennen sich als der
einen von ihnen sich einer Untergrund-Bewegung fuer landlose Bauern
anschliesst, die eine Journalistin wird und der dritte Karriere in
der Geschaeftswelt mit besten Verbindungen zur Politik macht. Beide
Maenner sind in die Frau verliebt und als 1975 der Ausnahmezustand
ausgerufen wird treffen sich alle wieder und die Lage eskaliert.

Sehr gut, auch wenn einige der Charaktere ueberstereotypisiert
sind. Die Handlung ist flott erzaehlt, ohne wesentliche Haenger und
spannend.

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Heda Hoda (K, Indien, Hindi mit engl. UT)
Inh: Ein Junge muss im kaschmirischen Grenzgebiet Indien/Pakistan die
Kamele seines Vaters hueten. Als diese ueber die Grenze fortlaufen,
versucht er sie wieder zurueckzubekommen, was der Politik wegen nicht
ganz leicht ist.

Ein schoener Film, hat mich ordentlich unterhalten, vor allem in
den Gesangssequenzen.

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Infernal Affairs II (F, Hong Kong, Kantonesisch mit engl. UT)
Inh: "Infernal Affairs II" konzentriert sich vor allem auf die beiden
Maulwuerfe in Teil I und erzaehlt ihren Aufstieg in ihren Positionen
und die Entwicklung ab der Ermordung von Triaden-Boss Kwun und der
Uebernahme durch dessen Sohn Hau, also ein erweiterndes Presequel
sozusagen.

Hochkomplex und sehr gut. Teil I war einer der besten Filme des
letzten Jahres und da es leider schon ein Jahr her war, das ich ihn
gesehen hatte war der Einstieg am Anfang etwas schwierig, was sich
aber nach ein paar Minuten legte. Ohne Kenntnis des ersten Teils macht
es ohnehin keinen Sinn und erschwerend kommt hinzu, das Charaktere
zwischen den Filmen die Schauspieler wechseln, reichlich Personen
in die Story integriert sind und die Zeiten munter hin und her
wechseln. Wenn man bereit ist sich auf die vielfaeltigen Irrungen der
Handlung einzulassen wird man aber durch die beste HK-Trilogie seit
langem und extrem spannende Handlung voller Dynamik, Komik und
Spannung belohnt.

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Infernal Affairs III (F, Hong Kong, Kantonesisch mit engl. UT)
Inh: Die Polizei muss mit neuen Machthabern und Buendnissen der
Unterwelt fertig werden und neben Inspektor Ming gewinnt bei der
Innenrevision ein mysterioeser aufstrebender Inspektor an
Macht. Diesmal deutlich mehr Sequel als Teil II, auch wenn
gelegentlich munter einige Jahre vor und zurueck gesprungen wird um
der Handlung selbst von Teil I vorzugreifen.

Teil III ist noch eine Spur verwirrender, da auch die Identitaeten und
Loyalitaeten miteinander zu verschwimmen beginnen. Gegen Ende wird im
Minutentakt munter einige Filmhandlungsjahre hin und her
gesprungen. Im Publikumsgespraech fragte jemand dann auch, ob Andrew
Lau und Alan Mak in einigen Saetzen des Film erklaeren koennten, den
er gerade gesehen habe :-)

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Jargo (J, Deutschland, Deutsch mit engl. UT)
Inh: Ein junger Araber mit deutscher Mutter muss sich nach dem Freitod
des Vaters in die neue Umgebung integrieren und freundet sich dort mit
dem kleinkriminellen Tuerken Kamil und dessen drogensuechtiger
Freundin an. Ein Einbruch bei den benachbarten Zigaretten-Mafiosi und
Eifersuechteleien lassen die Lage eskalieren.

Eine nicht ganz typische Coming-of-Age-Story, die durch einige
Schlenker in der Handlung positiv auffaellt, nicht allzu stereotype
Charaktere hat (z.B. Udo Kier als Geist von Jargos totem Vater),
stilsicher inszeniert ist und angenehm unterhaelt.

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Jumalan Morsian (F, Finnland, Nenet mit dt. UT)
Inh: Das Leben einer lappischen Goetterbraut, einer Frau die den
Goettern zur Frau gegeben wird und sich allein durch das Leben
schlagen muss.


Hat mir nicht besonders gefallen, wenn man den (hohen) Exotik-Bonus
rausrechnet bleibt nicht mehr allzuviel Bedeutendes uebrig, da alles
deutlich zu schwergaengig wirkt.

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Love Eterne, The (P, Hong Kong, Mandarin mit engl. UT)
Inh: Eine junge Frau verkleidet sich als Mann um studieren zu koennen
und verliebt sich dabei in einen Mann, der nicht merkt, das sie eine
Frau ist. Das ganze ueberwiegend gesungen als Peking-Oper.

Sicherlich nicht jedermans Geschmack, ich fands sehr unterhaltsam.
Der Charakter des maennlichen Protagonisten, in den sie sich verliebt
ist komplizierterweise durch eine Frau, bzw. einen extrem femininen
Mann dargestellt, was mich dann doch etwas verwirrt hatte...

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Maqbool (F, Indien, Hindi mit dt. UT)
Inh: Macbeth im indischen Mafia-Milieu. Maqbool verliebt sich in die
junge Frau des Mafia-Paten Abbaji, ermordet diesen und reisst die
Macht im Clan an sich, was zu einem Krieg mit anderen
Bandenmitgliedern und der Polizei fuehrt.

Eine echte Perle und viel besser als das indische Mafia-Epos
"Company", das letztes Jahr im Forum lief. Die Umsetzung ist sehr
gelungen (die Shakespeareschen Hexen sind etwa Polizisten, die
permanent in das Gleichgewicht der Mafia-Clans eingreifen, um sich das
Leben einfacher zu machen) und auch die Referenzen zum "Godfather"
sind deutlich erkennbar. Sehr spannend, duester und hart, aber
trotzdem auch mit schicken Tanzszequenzen, wenn im Film geheiratet
wird. Unbedingt angucken, eins der Forumshighlights dieses Jahr.

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Maria, llena eres de gracia (W, USA/Kolumbien, Spanisch mit engl. UT)
Inh: Maria verliert ihren Job in einer Blumenfabrik und entschliesst
sich als Drogenkurierin in die USA ihr Glueck zu versuchen. Zusammen
mit einer Freundin und zwei weiteren Frauen treten sie eine
gefaehrliche Reise an.

Ein sehenswerter Film mit einer tollen Hauptdarstellerin, wenn auch
etwas ueberraschungsarm und im Spannungsbogen recht konventionell.

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Memoria de Saqueo (W, Argentinien, Spanisch mit engl. UT)
Inh: Dokumentarfilm ueber den wirtschaftlichen Niedergang Argentiniens
im Zuge der Praesidentschaft von Carlos Menem und die darauffolgenden
Privatisierungen und wirtschaftlichen Umbrueche.

Interessant, aber von der Wirkung her wenig subtil. MdS ergreift sehr
eindeutig Partei und fuer den unbedarften Zuschauer kann der Eindruck
von Schwarz-Weiss-Denken entstehen, wenn er mit der realen Situation
nicht genug vertraut ist. Die Inszenierung (staendig hereinzoomende
Schlagwoerter) beschaedigt den Film ebenfalls ein bisschen.

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Mong Bat Liu (P, Hong Kong, Kantonesisch mit engl. UT)
Inh: Eine junge Frau, deren Mann kurz nach der Hochzeit toedlich
verunglueckte, uebernimmt dessen Kleinbus-Fahrgeschaeft, um fuer sich
und ihren - nicht leiblichen - Sohn zu kuemmern. Dabei stoesst sie auf
mannigfaltige Schwierigkeiten, die sie zusammen mit einem
fuersorglichen Kollegen ihres toten Gatten zu ueberwinden versucht.

Eine nicht uebermaessig innovative Geschichte, die aber mit einer
grossartigen Hauptdarstellering besetzt ist und gefuehlvoll erzaehlt
wird, ein schoener Film.

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Monster (W, USA, Englisch mit dt. UT)
Inh: Die Prostituierte Lee freundet sich in einer Bar mit einer einsamen
Lesbe an, die die Zeit nach der Highschool bei ihrer Tante
verbringt. Sie verlieben sich ineinander und als Lee in Notwehr einen
Freier erschiesst, beschliessen beide zusammen fortzulaufen.

Vorzueglich gespielt und gefilmt, mit einer glaubhaft wirkenden
Handlung, die nur selten in arg pathetische Momente abdriftet.

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Neverland:The Rise and Fall of the Symbionese Liberation Army (F, USA,
Englisch)
Inh: Dokumentarfilm ueber die Terroristengruppe "Symbionese Liberation
Army", die in den 70ern den USA den Kampf angesagt hatten und vor allem
durch die Entfuehrung der Medienmogulstochter Patricia "Patty" Hearst
bekannt wurden, welche sich spaeter der SLA anschloss und als Kaempferin
Tania bekannt wurde.

Fantastisch gemacht, vor allem die Fuelle des Materials aus dieser
Zeit ist beeindruckend. Der Regisseur sagte im Zuschauergespraech, er
habe das Glueck gehabt, das die SLA in der kurzen Phase aktiv war, als
das US-Fernsehen sein Filmmaterial auf 16mm drehte, was ein deutlicher
Gewinn fuer die Doku ist. Auch die Montage ist grossartig, wenn etwa
Patty Hearst in einer Talkshow auftritt und direkt als Spiegelbild der
Moderatorin erscheint oder wenn zu den Pamphleten der SLA (die in
ihrer kruden Formulierweise ganz erstaunlich an die RAF erinnern)
Bilder aus einem 50er-Jahre "Robin Hood" geschnitten werden.

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Niwatori Wa Hadashi Ha [Chicken is Barefoot] (F, Japan, Japanisch mit dt. UT)
Inh: Ein geistig behinderter kleiner Junge mit eidetischem Gedaechtnis
merkt sich durch Zufall Beweismittel, die zu einem Korruptionsfall
ganz oben in der Justiz weisen, was zu einer turbulenten Verfolgung
durch die Yakuza fuehrt.

Quirlig und unterhaltsam, gelegentlich an der Grenze zur Konfusion.

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Om Jag Vaender Mig Om (W, Schweden, Schwedisch mit engl. UT)
Inh: Ein Abendessen, bei dem die Lebensluegen zweier Paare
zusammenbrechen, ein Maurer der bei einem zurueckgezogen lebenden
Ehepaar einen seltsamen Auftrag bekommt und eine geschiedene Frau, die
mit ihrem Ex-Mann und seiner jungen neuen Freundin abrechnet.

Schoen zynisch und feinsinnig boesartig. Ein feiner Film, dessen
Handlung ab und an etwas holprig erzaehlt wird.

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Outro Lado da Rua, O (P, Brasilien, Portugiesisch mit engl. UT)
Inh: Eine alte Witwe, die fuer eine Art Buergerwacht arbeitet
verdaechtigt den frischgebackenen Ex-Witwer aus dem Haus gegenueber
seine Frau umgebracht zu haben. Sie begegnen sich, sie vor allem mit
der Absicht zu ermitteln und kommen sich naeher.

Ein wunderbarer Film, mit witzigen Dialogen, sehr warmherzig, lebendig
und fantastisch gespielt.

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Primo Amore (W, Italien, Italienisch mit dt. UT)
Inh: Ein Goldschmied lernt ueber eine Kontaktanzeige eine Frau kennen,
die beiden verlieben sich, wobei er sie zunehmend dazu draengt immer
mehr abzunehmen und staendig ihr Gewicht kritisiert.

Ein weitgehend verkorkster Film, dem es nicht gelingt seine duerftige
Geschichte - die Handlung bleibt die ganze Zeit schluessige Beweise
schuldig, warum sich die Frau ueberhaupt in diese Abhaengigkeit begibt
und auch sonst ist alles recht hoelzern - in einen stimmigen Film
umzusetzen und mit schaebigen Kameramaetzchen alle Sympathie
verschenkt. Alles bleibt auf TV-Drama-Niveau.

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Quality of Life (J, USA, Englisch)
Inh: Das Leben zweier Writer (vulgo Sprayer) in L.A., die mit den
verschaerften Graffiti-Gesetzen in Konflikt geraten.

Geht so, die Handlung ist recht konventionell und reichlich
zielgruppenaffin. Alles ist ganz ordentlich, aber warum sollte man
sich ordentliche Filme angucken, wenn es so viele gute gibt?

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Quattro Noza (P, USA, Spanisch/Englisch mit engl. UT)
Inh: Illegale Autorennen, Latino-Machismo und so.

Ergreifend uninteressant, billig auf DV gedreht und ohne irgendwelche
praegenden positiven Eigenschaften. Ich hatte ja eigentlich erwartet,
das eine Indie-Produktion hier interessantere Akzente setzt als Trash
ala "Gone in 60 Seconds", aber dem war nicht so.

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Running on Karma (F, Hong Kong, Kantonesisch mit engl. UT)
Inh: Ein ehemaliger Moench; ein Bodybuilder, der das Karma der
Menschen lesen kann und an der Ermordung seiner Freundin nagt,
verliebt sich in eine Polizistin, die einen mysterioesen Moerder jagt.

Johnnie To ist ohne Frage einer der Groessten in Hong Kong, seine
Filme gehoeren zu meinen Lieblingsfilmen, seine letzten
Forumsfilme "Full Time Killer" und "PTU" waren Meisterwerke und im
"Cineasia"-Festival-Katalog wurde "Running on Karma" ueber den gruenen
Klee gelobt; dementsprechend hoch waren meine Erwartungen, die leider
ueberwiegend enttaeuscht wurden. RoK ist ein mittelmaessiger Film,
der seine Handlung mit albernen Superhelden-Maetzchen erdrueckt, das
Potential des Karma-Lesens kaum ausschoepft und zu keiner Zeit die
ueberbordende expressive Dynamik erreicht, die seine Filme sonst
auszeichnen. Positiv in Erinnerung bleibt trotz laecherlicher
Hulk-Latexmuskeln Andy Lau und das konsequente Ende, aber alles in
allem war ich enttaeuscht.

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Samaria (W, Suedkorea, Koreanisch mit engl. UT)
Inh: Jae-Young verdient sich durch Prostitution das Geld um mit ihrer
Freundin Yeo-Jin eine Europa-Reise zu unternehmen. Als sie dabei vor
der Polizei fluechten muss und stirbt beginnt Yeo-Jin mit allen
frueheren Freiern ihrer Freundin zu schlafen und ihnen ihr Geld
zurueckzugeben. Als ihr alleinerziehender Vater davon Wind bekommt
beginnt er es den Freiern heimzuzahlen.

Fantastisch, herausragend und fuer mich der beste Film des
Wettbewerbs. Kim Ki-Duk findet fast immer die richtigen Bilder und
schafft es dabei staendig neue Akzente zu setzen. "Samaria" ist nicht
so gut wie "The Isle" oder "Fruehling, ...", in denen die Handlung aus
sich fast nur aus den Bildern entwickelt, die reduziert fuer sich
sprechen und mit wenig Dialog und Hektik wirken. Dies blitzt in
"Samaria" oefters auf, im Grossen und Ganzen wird die Handlung aber
konventionell aufgezogen. Visuell ist "Samaria" wieder ein
Meisterwerk, vor allem in der zweiten Haelfte des Films zeigt sich
Kims Gespuer fuer Perspektiven und ein staendiges Spiel mit der
Erwartungshaltung des Zuschauers. Wunderschoen, wenn auch wieder
einmal exzessiv brutal.

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Shouf Shouf Habibi [Hush, hush darling] (P, Niederlande,
Niederlaendisch/ Arabisch mit engl. UT)
Inh: Eine Familie marokkanischer Einwanderer, schwankend zwischen
Tradition (Eltern) und der Moderne.

Ein schoener Film, ueberwiegend eine Komoedie, die aber immer wieder
von dramatischen Einfaerbungen begleitet wird. Sehr launisch, ab und
zu angenehm derb, dann wieder sensibel witzig.

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Status Yo! (F, Deutschland, Deutsch mit engl. UT)
Inh: Mehrere Handlungsstraenge aus dem Hiphop-Milieu ineinander
verwoben: Ein Grossmaul moechte in 24 Stunden eine grosse Party
veranstalten, eineunglueckliche Liebe gegen die Widerstaende der
Familie, das Bemuehen um ein gutes Booking fuer eine
Breakdance-Gruppe, der Traum eines Writers vom weissen S-Bahn-Zug und
noch ein, zwei Handlungsfaeden mehr.

Ein toller Film, der aber noch sehr eindeutig nicht fertig geschnitten
war, was der Regisseur auch vorher angekuendigt hatte. Da hingen dann
einige Handlungsstraenge ploetzlich in der Luft, der Rhythmus wirkte
nicht immer stimmig und der Schauspieler neben mir (wohl der einzige
Profi am Set, der einen Polizisten gespielt hatte) wunderte sich
waehrend des Films immer mehr, um dann am Ende festzustellen, das sein
ganzer Handlungsstrang rausgeschnitten wurde :-) Inhaltlich sehr
ueberbordend an Ideen (etwa wenn eine Gruppe Breakdancer zu einer
Mischung aus Blasmusik und Rap eine Horde Skinheads verpruegelt oder
wenn es statt einem Abspann einen Rapspann gibt.)

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Svjedoci [Witnesses] (W, Kroatien, Kroatisch mit engl. UT)
Inh: Drei kroatische Soldaten auf Front-Urlaub (die Handlung spielt
1992) wollen die Wohnung eines serbischen Zinswucherers sprengen.
Ueberraschend ist dieser jedoch zu Hause und kommt durch einen Schuss
ums Leben. Da seine Tochter die Tat beobachtet hat nehmen sie sie
gefangen und sind unschluessig, was sie mit ihr machen sollen.

Ein harter und streckenweise kalter Film, kein Meisterwerk, aber
sehenswert. Die Handlung ist alles in allem recht konventionell.

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Tren blanco, El (F, Argentinien, Spanisch mit dt. UT)
Inh: Dokumentarfilm ueber einen Zug, mit dem carteneros, Menschen, die
durch die Rezession dazugezwungen werden vom Papiersammeln zu leben,
jeden Tag ihre Karren von den Vororten in die Stadt transportieren und
damit vor allem ein Dokumentarfilm ueber das Leben in der
argentinischen Krise.

Ein sehenswerter Dokumentarfilm, der exemplarisch an den cartoneros
zeigt, welche Verwuestungen die oekonomische Krise an Argentinien
hinterlassen hat und wie Menschen damit umgehen, und trotz einem Leben
in Armut den Stolz zu bewahren versuchen.

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Triple Agent (W, Frankreich, Franzoesisch/Russisch mit engl. UT)
Inh: Paris 1936: Fyodor, General der zaristischen antikommunistischen
Weissen Armee zieht nach Paris. Durch die Ehefrauen kommt es zu
Kontakten mit dem kommunistischen intellektuellen Nachbarn und mit der
Zeit spinnt sich ein Netz aus potentiellem Verrat ueber die
Handlung. Ist Fyodor Doppelagent und paktiert er mit den Nazis oder
den Falangisten des Spanischen Buegerkrieges?

Ein Thriller ohne Schuesse, trotzdem sehr spannend, gewitzt im Dialog,
wenn auch gelegentlich etwas bemueht im Streben nach der naechsten
intellektuellen Dialog-Perle. Leider ist "Triple Agent" etwas zu
lang geraten, gerade im Mittelteil plaetschert die Handlung zu
belanglos vor sich hin.

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Was nuetzt die Liebe in Gedanken? (P, Deutschland, Deutsch mit engl. UT)
Inh: Deutschland in den 20ern: Ein Wochenende endet tragisch mit zwei
Toten nach einer Party voller Eifersuechtelei zwischen einem schwulen
Bohemien, dessen lasziver Schwester, seinem ehemaligem Liebhaber,
seinem schuechternen Dichterfreund, und der Mauernbluemchen-Freundin
der Schwester.

Gut gespielt plaetschert die Handlung vor sich hin, gewinnt zum Ende
hin deutlich an Fahrt, wirkt aber gelegentlich arg gekuenstelt und
aufgesetzt.

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Yes Men, The (P, USA, Englisch)
Inh: Dokumentarfilm ueber eine Gruppe von Globalisierungskritikern,
die ueber die Spoof-Website gatt.org Einladungen zu Veranstaltungen
bekommen haben, in denen sie als WTO-Vertreter auftreten und dabei
testen wie weit sie gehen koennen und wieviel die Menschen einer NGO
wieder der WTO durchgehen lassen.

Grossartig, was man da zu sehen bekommt ist einfach unglaublich bis
haarstraeubend: Die fahren zu einer finnischen Konferenz ueber
"Textiles of the Future" und halten dort eine Praesentation, die damit
beginnt, das einer der beiden vorrechnet, das der Sezessionskrieg
oekonomisch unsinnig gewesen sei, da es heute billiger sei sich statt
Sklaven die Arbeiter in den Entwicklungslaendern zu halten. Das
groesste Problem, die Kontrolle der Arbeiter, habe die WTO durch den
"Management Leisure Suit" geloest, den er dann auch dem Auditorium
vorfuehrt: einen goldenen enganliegenden, mit einem ueberdimensionalen
aufblasbaren Penis, an dessen Spitze ein LCD aufmontiert ist, mit dem
man seinen Arbeitern Stromstoesse verpassen kann. Auf so was gab es
keinerlei Proteste aus dem Publikum, sehr sehenswert und anregend.

==

You Gou [Darkness Bride] (F, Hong Kong/Taiwan, Mandarin mit dt. UT)
Inh: Ein einsames Dorf, in dem die Tradition herrscht Leichen nur
paarweise zu beerdigen und das von einer vergangenen Tat belastet
wird, als eine junge Frau sich auf der Flucht vor Vergewaltigern in
den Tod stuerzte. Drei Jugendliche fluechten aus diesem Dorf, nachdem
sie im Auftrag des Dorfvorstehers eine "Partnerleiche" ausgruben
und muessen sich in der grossen Stadt alleine durchschlagen.

Ein interessanter, stimmungsvoller Film voller Atmosphaere, der oefters
etwas hakt und seine Geschichte nicht immer forttreiben kann.

==

Yu de nan fang [South of the Clouds] (F, China, Mandarin mit dt. UT)
Inh: Ein alter Mann unternimmt eine Reise in seine suedchinesiche
Heimat und geraet durch einen Zufall in Polizeigewahrsam.

Ein fantastischer Film, warmherzig, lebendig und sympathisch. Der
Hauptdarsteller ist excellent und die Atmosphaere hervorragend.

==

Zao an Beijing [Good Morning Beijing] (F, China, Mandarin mit engl. UT)
Inh: Ein Detektiv, sucht die Entfuehrer einer Frau und zwei
Prostituierte werden durch einen Freier bedraegt.

Oerks, was fuer ein Mist. Krude stilisierter DV-Mist, optisch und
erzaehlerisch eine Zumutung.

==

Zwoelf Stuehle (F, Deutschland, Deutsch/Russisch mit dt. UT)
Inh: Eine Jagd quer durch Russland nach zwoelf Stuehlen, in denen
wertvolle Edelsteine versteckt sind.

Ziemlich belanglos und bieder, so eine Art verfilmter
Schelmenroman. Die Handlung plaetschert die ganze Zeit ohne
irgendwelche Hoehepunkte vor sich hin, was bei 200 Minuten Laufzeit
zunehmend unertraeglich wird. Was so ein Film einer etablierten
Regisseurin im siebten Lebensjahrzent im "Forum des jungen Films" zu
suchen hat konnte mir auch noch niemand ueberzeugend erklaeren.


Moritz Muehlenhoff
(2004-02-23 11:20:43)

54. Berlinale



Tomi Li
(2004-02-23 11:20:43)

54. Berlinale


Moritz Muehlenhoff schrieb:
> 54. Berliner Filmfestspiele - ein paar Eindruecke/Empfehlungen/Warnungen
> [51 Filme persönlich bewertet]

In wie wenig Tagen kriegst du so ein Pensum durch?

So long,
Thomas G. Liesner
--
Hamster beta V2.0.4.0 seit 02.11.2003 verfügbar
http://tglsoft.de/ bzw. http://hamster.arcornews.de/tgl/


"Thomas G. Liesner"
(2004-02-23 16:30:07)

54. Berlinale


Thomas G. Liesner wrote:
>> 54. Berliner Filmfestspiele - ein paar Eindruecke/Empfehlungen/Warnungen
>> [51 Filme persönlich bewertet]
>
> In wie wenig Tagen kriegst du so ein Pensum durch?

Effektiv neun Tage, da Eroeffnungs- und Berlinale-Tag im Wesentlichen fuer
An- und Abreise draufgehen.
--
Letzte drei Filme:
Jargo (+), Running on Karma (o), Il Est Plus Facile Pour Un Chameau... (o)


Moritz Muehlenhoff
(2004-02-23 20:13:22)

54. Berlinale


Moritz Muehlenhoff schrieb:
> Thomas G. Liesner wrote:
>>> 54. Berliner Filmfestspiele - ein paar Eindruecke/Empfehlungen/Warnungen
>>> [51 Filme persönlich bewertet]

>> In wie wenig Tagen kriegst du so ein Pensum durch?

> Effektiv neun Tage, da Eroeffnungs- und Berlinale-Tag im Wesentlichen fuer
> An- und Abreise draufgehen.

Beeindruckend - 6 Filme am Tag wäre mir schon etwas sehr viel.

So long,
Thomas G. Liesner


"Thomas G. Liesner"
(2004-02-23 23:47:16)

54. Berlinale


"Thomas G. Liesner" writes:

> Beeindruckend - 6 Filme am Tag wäre mir schon etwas sehr viel.

Bei einem ausgewachsenen Festival ist das das normale Pensum
(vorausgesetzt man fährt zum Filmegucken dorthin.)
Ich habe diesmal allerdings nur 5 1/3 geschafft. Die Mitternachts-
vorstellungen im Delphi fehlten einfach.

Ciao, Claus schotten @ cinephil.de

Zuletzt gesehen: »Die Nacht singt ihre Lieder« »Don-Quichotte-Kurzfilme«
»Lost In La Mancha«


Claus Schotten
(2004-02-24 09:29:30)

54. Berlinale


Claus Schotten schrieb:
> "Thomas G. Liesner" writes:
>> Beeindruckend - 6 Filme am Tag wäre mir schon etwas sehr viel.

> Bei einem ausgewachsenen Festival ist das das normale Pensum
> (vorausgesetzt man fährt zum Filmegucken dorthin.)

Da ich noch nie eins mitgemacht habe, fällt es mir schwer, mir das
vorzustellen - irgendwo fehlt mir da noch der Genuss. Vielleicht sähe
ich das nach einem entsprechenden Eigenexperiment anders, aber das wäre
zeitlich momentan eh nicht drin.

> Ich habe diesmal allerdings nur 5 1/3 geschafft. Die Mitternachts-
> vorstellungen im Delphi fehlten einfach.

Mein Beileid! ;-)

So long,
Thomas G. Liesner


"Thomas G. Liesner"
(2004-02-24 11:06:53)

54. Berlinale


Aloha,

"Thomas G. Liesner" schrieb:
> > Effektiv neun Tage, da Eroeffnungs- und Berlinale-Tag im Wesentlichen fuer
> > An- und Abreise draufgehen.
> Beeindruckend - 6 Filme am Tag wäre mir schon etwas sehr viel.

Ich hab hier am Heimatfestival (München) einen langjährigen Schnitt
von 3-epsilon. Wobei, da ich das als Filmfreund und nicht als
Filmjournalist o.ä. besuche, eine relativ umfangreiche Vorauswahl
an Interessantem stattfindet und Filme mit bereits bekanntem
Verleihtermin, oder anlaufender Werbekampange ausgeklammert werden.

Einen fröhlichen Tag wünschend
LOBI


Andreas Lobinger
(2004-02-24 11:11:09)

54. Berlinale


Thomas G. Liesner wrote:
>>>> 54. Berliner Filmfestspiele - ein paar Eindruecke/Empfehlungen/Warnungen
>>>> [51 Filme persönlich bewertet]
>
> Beeindruckend - 6 Filme am Tag wäre mir schon etwas sehr viel.

Das legt sich nach ein, zwei Tagen. Das Schoene an Filmfestivals ist je gerade
das Pure des Film-Genusses; kein stoerendes Idioten-Publikum, keine
Synchros, im Schnitt bessere Filme, kein Zeitdruck, wenn man davon absieht,
das man das naechste Kino erreichen muss, sondern ein steter Bilder-Strom an
schoenen Filmen. Viele Filme kriegt man ja ausserhalb von Festivals auch einfach
nicht zu sehen.
--
Letzte drei Filme:
Running on Karma (o), Il Est Plus Facile Pour Un Chameau... (o), Godsend (-)


Moritz Muehlenhoff

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