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Filmkritik: Till Eulenspiegel


(2003-12-28 14:00:42)

Filmkritik: Till Eulenspiegel


Till Eulenspiegel




Wenn 500 Leute, 2 Jahre lange eine Geschichte um 15 Millionen ? zeichnen,
und dabei 82 Min. Film verwenden für eine sehr bekannte Geschichte, muss
doch was dran sein oder?



Also TILL ist ein richtiger Schelm. Er will unbedingt in die Stadt
Boomstadt, dort will er seinen Onkel besuchen. Sein Großvater ist ein
Zauberer, heute wäre er sicher so was wie Apotheker geworden, aber damals
war die Zeit eben etwas zauberlicher, und so ist er anhand des Mischens
eines falschen Zaubertrankes einfach verschwunden, seine Eule CORNELIUS hat
ihm, MARCUS, das falsche Fläschchen gereicht und aus dem Trank, der TILL zu
einem guten TILL machen soll wurde ein Verschwindibuszauberer, gut für
einige heutigen Politiker.



Natürlich kommt TILL nicht in die Stadt, er hat keine 2 Taler, aber die
besorgt er, indem er sich als Arzt verkleidet und dem Wachdienst vorspielt
er sei sehr krank, und nur 26 Zwiebeln könnten ihm helfen, doch kurz nach
der Passage hält man ihm wieder auf, der Gehilfe des Bürgermeisters ist da
und lässt ihn nicht rein, er ist auch so ein Geldeintreiber. Die Städte
damals sind sicher alle in Geld geschwommen, keiner ließ wen umsonst rein,
doch TILL weiß sich zu helfen und schafft es sogar.



NELE die Tochter vom Bürgermeister hat eine goldene Eieruhr mit
Spielfigurfunktion entworfen, die sie dem kleinen König zum Geschenk machen
will und TILL sieht sie und verliebt sich natürlich in sie. Er hässlich und
ungehobelt, und ein richtiger Unruhiger Mensch verliebt sich in eine Frau
von Stand.



Aber das Ei geht verloren und König RUPERT bekommt ein echtes Ei, ein
Entenei, und ist ganz fasziniert von der kleinen Ente DUCKY. Seine Tante
KATHARINA will Königin werden und ist böse, und Ihr Freund und Liebhaber
General PICKELHAUBER hilft Ihr den Thron zu bekommen.



Dann gibt es noch einen rätselhaften Spiegel der TILL sagt das MARCUS in 2
Tagen tot ist, wenn er nicht 3 wichtige Aufgaben zu erledigen hat, auch ein
Rätsel, das muss aber TILL selbst rausfinden.



In der Zwischenzeit verhindert NELE das TILL verhaftet wird, sie begibt
sich mit ihm auf die Suche nach MARCUS und beide landen mit CORNELIUS in den
Armen von Dr. TODD und seiner Knochenarmee.

Durch Zufall treffen sie auf RUPERT und DUCKY und merken was von der Intrige
von KATHARINA und sehen das RUPERT in Lebensgefahr steckt.



Und das ganze soll eine spannende Zeichentricküberraschung sein, in
Wirklichkeit etwas langweilig gedreht. Leider, denn die Story hätte viel
mehr geboten. Die Zeichnungen sind nett, aber leider etwas übertrieben
kindisch verlustigend, anstatt detailgetreu gezeichnet. Das hat mich
gestört. Die Figuren sind gut getroffen, allerdings die Dialoge sind etwas
dumm und vieles passiert in dem Film was mir nicht nur unlogisch sondern
auch unrealistisch erscheint. Wo was zu lachen sein soll, war nicht viel zu
lachen, sondern es waren einfach übertriebene, verarmerikanisierte Dialoge,
die einfach übertrieben und unnötig sind. Die Figur der NELE ist gut und
liebevoll getroffen, aber anstatt einen reizenden Charme reinzuzeichnen,
wurde einfach eine Überraschungseiergeschichte gezeichnet. MARCUS sieht aus
wie der Doc in Zurück in die Zukunft. Die Zeichnungen sind schön, vor allem
sehr bunt, doch aus der Kindergeschichte von Erich Kästner wurde nicht
unbedingt was gemacht das der Kinderbuchgeschichte gerecht wird, sondern
einfach eine verhunzte, verkindlichte Geschichte, die etwas dämlich war, und
viel zu kurz, und übertrieben, in dem ganzen Herumgehopse des Filmes. Till
im Buch war viel netter und lustiger als der ganze Film, schön war es
dennoch mal was nicht von Disney zu sehen.



Ein Film für Zeichentrickfanatiker, gestresste Eltern die vor Weihnachten
Ihre Kinder endlich los werden wollen, und Erwachsene die Erich Kästner
Bücher mögen, und sich beschämend ansehen wollen was die Filmindustrie
daraus macht.



60 von 100


"Tuvok"
(2003-12-28 20:52:37)

Filmkritik: Till Eulenspiegel



Tomi Li
(2003-12-28 20:52:37)

Filmkritik: Till Eulenspiegel


Zum Stichwort "Till Eulenspiegel" fällt mir eine Leseempfehlung
ans geneigte Publikum ein:

"Die Geschichte von Ulenspiegel" von Charles de Coster, zuerst
erschienen 1867 in Brüssel.

Die deutsche Fassung von Karl Wolfskehl aus den 20er Jahren ist
unübertroffen!

Gibts (gabs) bei Diogenes.

Diese Geschichte hat selbstverständlich *gar nichts* mit dem
Stoff des Zeichentrickfilms zu tun.

Fiel mir nur so ein, weils einer meiner Lieblingsschmöker ist.
Aber Achtung! - es geht in Stücken ziemlich heftig zu; aber
dafür gibts auch eine wunderbare Trip-Ekstase zu lesen!
Wenns auch zuweilen ein bisschen arg flandrelt (aber wo war
Analoges nicht im Schwange zu jener Zeit?), ist es doch eine
wunderbare Kompilation und gleichzeitig Originaldichtung, die
flandrische "Nationalsage".

Ist zwar OT in .film - aber was wär der Film ohne Buch?
(nebenbei gesagt, es gibt glaube ich noch gar keine modernere,
"gerechte" Verfilmung des de Costerschen "Ulenspiegel"!)

Stephan


Stephan Kendzia

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