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Re: [28 Days later] - Schriftzug


(2003-06-24 09:11:23)

Re: [28 Days later] - Schriftzug


"Oliver J. Hanau" schrieb im Newsbeitrag
news:bd8oq8$q83ad$1@ID-35218.news.dfncis.de...
> Soweit ich mich erinnere, hat der Wissenschaftler am Anfang nicht
> gesagt, wie die Affen zu der "Rage"-Krankheit kamen; er sprach nur von
> "infected". Ich hatte das eigentlich so interpretiert, dass sie den
> Affen nur so lange Fernsehbilder vom grausamen Tun der Menschen gezeigt
> haben, bis sie austickten und sich herausstellte, dass das dann
> ansteckend war.

Wie Sebastian geschrieben hat: Der Wissenschaftler sagte: um etwas zu
behandeln, muss man es studieren - ob die Forschung da auch militärische
Absichten besitzt istne Mutmaßung...

> vorhersehbaren (und im Film vorhergesagten) Konsequenzen. Insbesondere
> denke ich da an Brendan Gleeson, der unbedingt durch den Tunne fahren

"No, no, see, this is a really shit idea. Know why? Because its really
obviously a shit idea."

> will sowie den Abstecher in die Imbissbude.

In der Szene wird zum ersten mal deutlich, wie Jim sich von Selena
"emanzipiert". Sie agiert bis zu diesem Zeitpunkt als abgebrühter Führer,
bis Jim sie mit dem Abstecher offenkundig provozieren möchte ("Lange keinen
Cheesburger mehr gegessen"). Bei seiner quasi "neu gewonnen Freiheit" folgt
auch seine Bewährungsprobe in Form des infizierten Kindes - Jim ist in der
Szene "erwachsen" geworden und ist somit für die Charakter-Zeichnung und
Dramaturgie nicht unsinnig...

> > Außerdem fand ich - obwohl ich keinesfalls ein Freund von
> > selbstzweckhaftem Splatter bin - den Film doch irgendwie blutleer.
>
> Dass auf der DVD ein "18"-Logo prangt, hat mich auch etwas gewundert.

Naja - also gerade besagte Szene in der Jim seinen Baseball-Schläger auf das
Kind zimmert und vor der Türe das Blut vom Knüppel wischt sind dann doch die
Momente, bei denen ich froh bin, dass der Film so "blutleer" ist...

Grüße!

- Karsten


"Karsten Schreurs"
(2003-06-24 13:51:14)

Re: [28 Days later] - Schriftzug



Tomi Li
(2003-06-24 13:51:14)

Re: [28 Days later] - Schriftzug


>Möglicherweise wollte Boyle einfach nur ein paar seiner Lieblingsfilme
>(und Bücher) neu zusammensetzen. Es ist natürlich müßig, die Zitate
>zusammenzukramen ("Crazies" meets "Dawn" meets "Day" meets "Rabies"
>meets "Parasite Murders" meets "The Stand" - da wären wir bei gleich
>drei Romeros, zwei Cronenbergs und einmal King).
>
>Bei mir fällt "28 Days later" wohl unter enttäuschte
>Erwartungshaltung. Die erste Hälfte empfand ich als sehr gelungen und
>stimmig (wobei mich die Tunnelszene sehr stark an "The Stand"
>erinnerte), während die Szenen mit den Militär-Idioten mich allerdings
>nicht gerade vom Hocker hauten, weil auch der Kampf gegen die Soldaten
>nicht sehr wahrscheinlich wirkte. Außerdem fand ich - obwohl ich
>keinesfalls ein Freund von selbstzweckhaftem Splatter bin - den Film
>doch irgendwie blutleer.
>

Am Anfang des Filmes musste ich auch an Clockwork Orange denken. (Affe
vor den Fernsehern mit Gewaltbildern).


Roman Nemo Sturm
(2003-06-25 01:51:53)

Re: [28 Days later] - Schriftzug


Hallo Oliver,

Oliver J. Hanau wrote:

> Soweit ich mich erinnere, hat der Wissenschaftler am Anfang nicht
> gesagt, wie die Affen zu der "Rage"-Krankheit kamen; er sprach nur von
> "infected". Ich hatte das eigentlich so interpretiert, dass sie den
> Affen nur so lange Fernsehbilder vom grausamen Tun der Menschen gezeigt
> haben, bis sie austickten und sich herausstellte, dass das dann
> ansteckend war.

Interessanter Gedanke. Andersherum war der Affe sehr ruhig, während er
den Gewalttaten zusah. Vielleicht ist es ein verstecktes Plädoyer für
den sogenannten "Gewaltfilm", der zumindest im Affen eine Katharsis
bewirkt :).

[...]

> Das war auch das, was mich persönlich am Film am meisten störte: Hatte
> "The Beach" nicht genau das gleiche Ende? Und "Lord of the Flies"
> sowieso?

Ziemlich! Allerdings hatte "28dl" unter einem ähnlichen Problem wie
"Beach" zu kämpfen, weil die Handlungen des Protagonisten zum Schluß
ähnlich unglaubwürdig wirkten wie Leos Anwandlungen auf der Insel.

> Sehr gespannt bin ich in dem Zusammenhang auf die "narrated storyboards"
> des "radically alternate endings" ohne Soldaten. Allerdings wollte ich
> vorher erst den Audiokommentar hören, und da stoße ich auf ein
> Zeitproblem, an dem auch Mrs. Rowling nicht ganz unschuldig ist.

Berichte mal, wenn Du das Ende gesehen hast.

>>Bei mir fällt "28 Days later" wohl unter enttäuschte
>>Erwartungshaltung. Die erste Hälfte empfand ich als sehr gelungen und
>>stimmig (wobei mich die Tunnelszene sehr stark an "The Stand"
>>erinnerte)

> Abgesehen von meinen oben erwähnten Problemen mit der
> "Selbstähnlichkeit" von Alex-Garland-(Dreh-)Büchern wären mein zweiter
> Kritikpunkt die dummen Ideen der Hauptpersonen und ihre komplett
> vorhersehbaren (und im Film vorhergesagten) Konsequenzen. Insbesondere
> denke ich da an Brendan Gleeson, der unbedingt durch den Tunne fahren
> will sowie den Abstecher in die Imbissbude.

Mir kam die Sache mit dem Tunnel wie schon erwähnt sehr stark als
Hommage an "The Stand" vor (die beste Szene des eigentlich schwachen
Buches). Dort macht sich einer der Protagonisten zu Fuß auf den Weg in
einen Tunnel, in dem sich Autowracks nebst lebensfreien Insassen
befinden. Brrr! Leider erreicht "28dl" die Intensität dieser Szene nicht.

Zum Imbiss hat Karsten schon eine treffende Interpretation geliefert -
und trotzdem erinnert mich die Szene an die Zwischenlandung in "Dawn",
bei der die Helden auf ein paar Untote stoßen. Der Infizierte bei den
Soldaten hingegen schien direkt aus "Day of the living dead" entliehen -
insgesamt allerdings sehr clever "geklaut" und zusammengefügt.

[...]

> Der Vollständigkeit halber aber: Unterm Strich fand ich den Film
> gelungen und bereue den Blindkauf der DVD keineswegs.

Der "Quiet Earth"-mäßige Anfang im zerstörten London und die
anschließende Reise (wirkte fast aus dem typischen Fantasy-Roman
entlehnt und erinnerte obendrein an eine weitere King-Story namens "The
Fog", in der die Überlebenden einer ganz merkwürdigen Katastrophe einem
Radiosignal folgen) haben bei mir Hoffnungen auf wesentlich mehr
geweckt. Die hinglänglich bekannte Demonstration, daß der Mensch keine
Seuche benötigt, um zum Berserker zu werden und die Zivilisations-Hülle
abzustreifen, war dann doch etwas enttäuschend, zumal "Dawn" und "Day"
das bereits (wenn auch anders inszeniert) auf den Punkt gebracht haben.

Mein Fazit: Mittelmäßiger Film mit einem Haufen Hinweise auf
verschiedene Genre-Klassiker, der zwar ausgezeichnet unterhält, jedoch
keinen nennenswerten Eindruck hinterläßt. Da wäre mehr dringewesen.

Grüße
Hannes
--
When theres no more room in hell the dead will surf the web


Johannes Schwarz
(2003-06-25 09:48:19)

Re: [28 Days later] - Schriftzug


"Johannes Schwarz" schrieb im Newsbeitrag
news:bdao6u$r2ir1$1@ID-37553.news.dfncis.de...
> > Das war auch das, was mich persönlich am Film am meisten störte: Hatte
> > "The Beach" nicht genau das gleiche Ende? Und "Lord of the Flies"
> > sowieso?
>
> Ziemlich! Allerdings hatte "28dl" unter einem ähnlichen Problem wie
> "Beach" zu kämpfen, weil die Handlungen des Protagonisten zum Schluß
> ähnlich unglaubwürdig wirkten wie Leos Anwandlungen auf der Insel.

Diese radikalen Kehrtwendungen von Selena und Jim haben mich zum Ende hin
allerdings ebenfalls gestört, das hätte man subtiler angehen können. So
wirkte Selena auch schon zu Beginn als taffe Kriegerin stellenweise
reichlich unglaubwürdig, wenn sie z.B. irgendwelche Veteranen-Oneliner
runterleiert - passte einfach nicht zu ihr. Vielleicht liegts an der
Darstellerin, einer Geena Davis hätte ich sowas eher abgekauft...;)...

> > Sehr gespannt bin ich in dem Zusammenhang auf die "narrated storyboards"
> > des "radically alternate endings" ohne Soldaten. Allerdings wollte ich
> > vorher erst den Audiokommentar hören, und da stoße ich auf ein
> > Zeitproblem, an dem auch Mrs. Rowling nicht ganz unschuldig ist.
>
> Berichte mal, wenn Du das Ende gesehen hast.

Würde mich auch interessieren!

> Mein Fazit: Mittelmäßiger Film mit einem Haufen Hinweise auf
> verschiedene Genre-Klassiker, der zwar ausgezeichnet unterhält, jedoch
> keinen nennenswerten Eindruck hinterläßt. Da wäre mehr dringewesen.

In einem Interview (spielfilm.de?) hab ich gelesen, dass der Autor
eigentlich nur wenig mehr als eine Zitate-Ansammlung im Sinn hatte. Er hat
sich eng an das Konstrukt des Zombie-Films gehalten und versucht die Zitate
auf eine neue Art zu interpretieren bzw. modifizieren - es sollte also IMO
nichts "Neues" geschaffen werden. Es wirkt für mich eher wie eine
künstlerische Neudefinition - nichts anderes macht z.B. auch Tarantino.
Und machen wir uns nichts vor, es ist fast unmöglich bei solcher Art von
Film gänzlich neue Aspekte einzubringen. Die Macher waren sich dem bewusst
und machen auch keinen Hehl daraus - diese Offenheit steht dem Film sehr
gut, wie ich finde...

Grüße!

- Karsten


"Karsten Schreurs"

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